D e r O r t
DasAlter unseres Ortes ist unbekannt. Es gibt Vermutungen,
daß seine Geschichte bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht.
Sein Name ist slawischen Ursprungs. "Brada" bedeutet "Furt" und weist
auf die früher sicher breitere und flachere Elbe hin, die Menschen
und Vieh durchschreiten konnten. Der erste Teil des Ortsnamens 1äßt
mehrere widersprüchliche Deutungen zu.
Im Laufe der Jahre wurden bis 1925 die ehemals selbständigen,
zum Kirchspiel gehörigen Gemeinden Fürstenhein, Naundorf, Zitzschewig,
Niederlößnitz und Lindenau nach Kötzschenbroda eingemeindet.
1935 wurden die beiden Städte Kötzschenbroda und Radebeul zum
jetzigen Radebeul zusammengeschlossen. Damit ging der geschichtlich bedeutsame
Stadtname Kötzschenbroda verloren.
D i e K i r c h e
Wann die erste Kirche gebaut worden ist, läßt sich
nicht mehr ermitteln. Zweifellos ist sie die älteste bestehende
zwischen Dresden und Meißen. Längst bestand sie 1273, als
das "Archidiakonat Nisan", zu dem auch unsere Kirche gehörte, gegründet
wurde.
1429 wurde unser Ort durch die Hussiten zerstört. Fast
ein halbes Jahrhundert verging, bis der Wiederaufhau begann. Die Inschrift
der Sandsteintafel an der Nordseite des Turmes besagt, daß man
damit erst 1477 begann. Der Kirchenbau dauerte wiederum fast ein halbes
Jahrhundert: 1515 konnte die neue Kirche eingeweiht werden. Von ihr steht
noch der Altarraum mit den drei gotischen Fenstern und der Turm bis zur
Brüstung über der Uhr. 1539 wurde hier, wie im ganzen albertinischen
Sachsen (Meißen und Dresden) die Reformation eingeführt.
1637 (Dreißigjähriger Krieg) wurde unsere Kirche
am 14. März durch die Schweden mitsamt dem ganzen Ort aufs neue
zerstört. Nur drei Häuser sollen stehengeblieben sein. Diesmal
begann - wesentlich auch auf Betreiben des Kurfürsten, der Geld
und Baumaterial gab - der Wiederaufbau der Kirche bereits 1637, also bald
nach der Zerstörung. 1656 war der Kirchenbau vollendet. Neu erhielt
die Kirche: 4 Glocken, die Uhr, eine Orgel und (bereits 1642) die Kanzel.
1839, zum 300-jährigen Reformationsjubiläum in Sachsen,
wurde die Linde gepflanzt, die vor dem Kirchhof steht.
1882 faßten der Kirchenvorstand und der Rat der Gemeinde
den Beschluß zum Kirchenneubau, weil man nicht sicher wußte,
"ob das alternde Gotteshaus bei starkem Besuch noch die nötige Sicherheit
gewähre oder nicht vielmehr Leib und Leben gefährde".
Am 18. Mai 1884 wurde der Abschiedsgattesdienst gehalten,
am Tage darauf begannen die Abbrucharbeiten. Die festliche Einweihung konnte
schon am 9. August 1885 begangen werden:
Das Kirchenschiff ist 10 m breit, 22,4 m lang und 13,30 m
hoch Die Turmhöhe beträgt 53 m.
In den Jahren 1961 - 1963 ist unsere Kirche zum letzten Mal
erneuert worden. Wesentlich dabei war die Aufhellung des Innenraums durch
Abbeizen der dunkelbraunen Farbe vom gesamten Gestühl, den Emporenbrüstungen
und der Holzdecke. Die Altarfenster erhielten neue Farbglasbilder.
D e r F r i e d e n s s c h l u ß z u
K ö t z s c h e n b r o d a
1645 ist das Jahr, in dem der Waffenstillstand - als Friede
zu Kötzschenbroda in die Geschichte eingegangen - geschlossen worden
ist, der über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus eine wichtige
Bedeutung hat: Sachsen und Schweden begannen in Cossebaude, auf der anderen
Elbseite, Waffenstillstandsverhandlungen. Sie wurden wegen kriegerischer
Gefährdung nach Kötzschenbroda verlegt, im Pfarrhaus weitergeführt
und am 27. August mit einer Gültigkeit von zunächst 6 Monaten
unterschrieben. Nach Ablauf dieser Frist beiderseits verlängert,
wurde dieser Waffenstillstand für Sachsen zum Vorfrieden des endgültigen
allgemeinen Friedens von 1648.
Während der Verhandlungen in Kötzschenbroda rief
der Pfarrer des überelbischen Dorfes Weistropp seine Gemeinde in
einem Steinbruch bei Oberwartha zur Betstunde für das Gelingen der
Verhandlungen zusammen.
Im 1995 neu ausgebauten Turmzimmer im Hinterschiff der Kirche
steht der Tisch, auf dem der Friedensvertrag unterzeichnet worden ist.
An der Wand hängt eine Kopie des Vertrages. Das Olgemälde ist
ein Bildnis des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I., zu dessen
Regierungszeit der Friedensschluß erfolgte.
Die drei kleineren Bilder zeigen die Kirche nach dem 30-jährigen
Krieg und nach der Erneuerung mit der Erhöhung des Turms 1746. Die
große barocke Schrifttafel von 1678 erinnert mit Versen des damaligen
Pfarrers Lucius an den Friedensschluß zu Kötzschenbroda.
Der Grabstein des Magisters Augustin Prescher der zur Zeit
des Friedensschlusses hier als Pfarrer tätig war und erheblichen
Anteil am guten Abschluß hatte, steht im Vorraum der Kirche. 1845
wurde das 200-jährige Jubiläum mit einem großen Fest gefeiert.
Kötzschenbrada mit seinen Parochiedörfern zählte damals
etwa 3009 Einwohner. Rund 16 000 Gäste sollen in den Augusttagen dieses
Jahres hier gewesen sein.
Zeitbedingt konnte 1945 des 300-jährigen Jubiläums
nur schlicht im Gottesdienst gedacht werden. Unser Posaunenchor blies
an dem Tage vom Turm unserer Kirche das erste Mal wieder nach dem Kriege.
In seiner Predigt am Reformationsfest, 31. Oktober 1939, gedachte Pfarrer
Gerhard Richter zugleich im Gedenken an die Refarmation in Kötzschenbroda
vor 400 Jahren auch des Friedensschlusses von 1645.
D i e A I t a r f e n s t
e r
Aus der Zeit der letzten Kirchenerneuerung 1961/62 stammen
u.a. die 35 farbigen Glasbilder in den Altarfenstern, deren Entwurf Christian
Rietschel unserer Kirchgemeinde nach Errettung aus Todesgefahr (schwerer
Autounfall) gestiftet hat. Jedes der drei gotischen Fenster mit Worten
aus den Seligpreisungen der Bergpredigt hat einen doppelten Bezug.
Das linke Fenster ("Selig sind die Friedfertigen..." Matth.
5,9), das "Friedensfenster":
a) Verheißung des göttlichen Friedens b) Bezugnahme
auf den Friedensschluß von 1645
Das mittlere Fenster ("Selig sind, die da hungert und dürstet..."
Matth. 5,6), das "Sakramentsfenster":
a) Verheißung der Gemeinschaft mit Gott, mit der Darstellung
des Heiligen Abendmahls als zentralem Bild b) Hinweis auf den Weinbau
in der Lößnitz
Das rechte Fenster ("Selig sind die Barmherzigen..." - Matth.
5,7), das "Barmherzigkeitsfenster':
a) Zusage der Liebe Gottes b) in ihrer Auswirkung als tätige
Liebe in der Diakonie mit dem Bezug auf die Innere Mission, jetzt Diakonisches
Amt unserer Sächsischen Landeskirche mit seinem Sitz in unserer
Kirchgemeinde.
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